Wann wird der Sex zur Sucht?
In den Medien ist es ein heiß gehandeltes Thema – denn schließlich hat Sexsucht, besonders mit Promi-Faktor, gehöriges Sensationspotenzial. Tiger Woods und Jesse James sind die Namen, um die man momentan bei dem Thema nicht herum kommt. Aber ließen sich die reuigen Sünder gegen die Sucht behandeln, um sich auf den Status als „arme Kranke“ zurückziehen zu können oder trifft die sogenannte Hypersexualität auf viele Menschen zu, die sich täglich vor dem Bildschirm „einen runter holen“?
Experten sprechen dann von Hypersexualität, wenn es Betroffenen schwer fällt, die eigenen Sexualität und den Geschlechtstrieb zu beherrschen und dadurch für die Betroffenen selbst und Andere – meist ist es der Partner – Leidensdruck entsteht.
Wie häufig am Tag oder in der Woche sexuelle Handlungen „normal“ sind, fällt Experten schwer einzustufen. Die Frequenz ist aber dennoch ein Kriterium bei der Diagnose von Hypersexualität.
Konsumieren Männer und Frauen täglich übermäßig Pornografie und Telefonsex, onanieren zusätzlich und haben Geschlechtsverkehr, dann ist das ein Indiz für eine Zwangsstörung. Beherrscht das Streben nach mehreren Orgasmen täglich den Alltag und werden die dann doch nicht als Befriedigung empfunden, ist das ebenfalls ein Anzeichen für Sexsucht. Wenn andere Lebensbereiche vernachlässigt werden, weil die Befriedigung sexueller Bedürfnisse im Vordergrund steht, ist ein klärendes Gespräch mit einem Therapeuten ratsam.
Klinische Therapeuten zufolge liegt der Anteil an Sexsüchtigen in Europa bei knapp einem Prozent – also sind es letztendlich nicht viele, die sich Sorgen machen müssen. Und auch wer tagtäglich vor einer Pornoseite onaniert, sich um das Thema aber keine weiteren Gedanken macht und vielleicht auch noch in einer sexuell ausgefüllten Partnerschaft lebt, kann seine Angewohnheiten ruhigen Gewissens beibehalten.